Was wäre wenn, ...?

Immer wieder wird mir die Frage gestellt, ob ich noch weitere Kinder bekommen
möchte - ja, ich liebe Kinder über alles und ich habe die gleiche Chance ein
gesundes Kind zur Welt zu bringen, wie jede andere gesunde Frau in meinem Alter.
Sicherlich stellt man sich die Frage, was wäre wenn ich wieder ein behindertes
Kind zur Welt bringen werde, aber wenn ich ehrlich bin, würde ich auch bei einer
weiteren Folgeschwangerschaft keine Fruchtwasseruntersuchung machen. Denn dann
müsste ich mir die Frage stellen - willst Du dieses Kind, auch wenn's krank oder
behindert ist?
Und diese Frage hat sich eigentlich schon beantwortet, wenn man sich entscheidet
ein weiteres Kind zu bekommen ;o) Sicherlich hatte ich es nicht einfach, habe
auch, zumindest am Anfang darüber nachgedacht, was wäre wenn - Melanie gesund
zur Welt gekommen wäre, aber immer wieder dieses grübeln - was wäre wenn -
gewöhnte ich mir ab, obwohl ich mich immer wieder dabei ertappte, was wäre wenn,
...
Ich war schon in der Schwangerschaft allein stehend, dem Vater von Melanie
interessierte es schon damals nicht, das er Vater wird. Und als Melanie geboren
wurde bekam ich nur Vorwürfe, denn an Ihm kann es ja nicht liegen, das er ein
behindertes Kind bekommen hat. Die Genuntersuchung klärte die ganze "Sache" dann
auf, denn Melanies Behinderung war eine so genannte Laune der Natur, wie uns der
Arzt sagte (was auch immer er damit meinte ;o). Leider konnte er Melanie nicht
so akzeptieren wie sie war, er hatte nie eine "Beziehung" mit seiner Tochter
aufgebaut, und ich hatte immer das Gefühl, das er Melanie eher als Unfall sah,
als seine Tochter.
Ich hatte es ihm nie verwehrt, das er sie sehen konnte, er blieb von alleine
fern. Leider musste ich später feststellen, das er Melanie nur als lästiges
Zahlobjekt ansah und sogar in der Öffentlichkeit blöde Sprüche von sich gab. Das
alles tat mir sehr weh, denn ich bin der Meinung - nicht ein Vater hat ein Recht
auf sein Kind, sondern das Kind hat ein recht auf seinen Vater! Als Melanie mit
einem Jahr im sterben lag, sagte er zu mir - "wäre besser wenn sie sterben
würde, dann müsste ich nicht für ein Kind bezahlen, das eh nichts kann". Seitdem
hatten wir überhaupt keinen Kontakt mehr.
Ich bin sehr froh, das mir meine Mutter immer so zur Seite stand. Sie nahm
Melanie nicht als Enkelkind an, sondern Melanie war wie Ihre Tochter. Oft wurde
ich gefragt, wie ich das als Mutter alles geschafft habe, mit einem so starken
Rückhalt wie den, den mir meine Mutter gab - kann man solche Situationen und
Schicksalsschläge verkraften! Was wäre wenn - ich meine Mutter und meine Familie
nicht gehabt hätte? Ich weiß es nicht, ich glaube dann wäre das ganze Leben
anders verlaufen. Meine Mutter ist eine besondere Frau, sie strahlt so viel
Wärme und Stärke aus, ich hoffe einiges von Ihr geerbt zu haben ;o) Als meine
Mutter am Sterbebettchen von Melanie stand und sagte: "Was soll ich jetzt nur
machen" trug ich den Schmerz doppelt in mir, ich hätte ihn ihr abnehmen
wollen...
Was wäre wenn, ...