Ein harter Weg ?

Die Geburt eines Kindes ist ein freudiges Ereignis. Die Geburt eines behinderten
Kindes hingegen wird zuerst einmal als Schock empfunden. Die Eltern plagen sich
mit Verzweiflung, Ohnmacht, Wut, Schuldgefühlen, Fassungslosigkeit, Trauer,
Schmerz und dem “Warum“. All das ist normal! Auch Bekannte und Freunde sind
geschockt und verunsichert. Darf man sich trotzdem über die Geburt des Kindes
freuen? “Dürfen“ Verwandte und Bekannte den Eltern gratulieren?
Ich bin der Meinung – Ja!
Die Erste Zeit nach der Mitteilung dass das geborene Kind behindert ist, ist
meist die schwierigste. Die frischgebackenen Eltern sind auf den
Geburtsstationen der Krankenhäuser umgeben vom Glück anderer, was ihnen, so
empfinden es die meisten, verwehrt worden ist. Die Trauer ist groß, denn man
hatte sich eigentlich auf ein gesundes, sich normal entwickelndes Kind
vorbereitet. Es ist für viele sicherlich schwer, sich vom gesunden Kind
gedanklich zu verabschieden und das neue kleine Wunder auch anzunehmen. Fragen
über Fragen kommen auf... Wie soll es weitergehen? Werden wir unser Kind so wie
es ist lieben können? Wie wird sich unser Kind entwickeln? Kann es gar auf eine
normale Schule gehen? Welche Möglichkeiten/Therapien können wir unserem Kind
bieten? Und wie sagen wir es den Großeltern, Verwandten und Freunden?
Jeder Mensch reagiert in einer solchen Situation anders. Manche ziehen sich
zurück und wollen sich vor ihrer Umgebung “verstecken“, andere gehen mit der
neuen, ungewohnten Situation offen um. Ich habe einen guten Rat für alle Eltern:
Zeigt offen eure Gefühle! Keiner der euch dafür verurteilt ist es Wert "Freund"
genannt zu werden!
Sprecht offen über eure Empfindungen, Ängste und Sorgen. Weiht Nahestehende so
früh wie möglich ein und erzählt von eurem Kind. Freunden und Verwandten wird
die Unsicherheit genommen wenn man offen über das Kind, dessen Behinderung und
die Ängste spricht! Nehmt auch weiterhin am Gesellschaftlichen Leben teil, lebt
Normalität, trotz oder gerade wegen des behinderten Kindes! Und nehmt angebotene
Hilfe an! Gute Freunde brauchen das Gefühl, helfen zu können! Es macht keinen
Sinn, wenn man die Behinderung oder die Krankheit des Kindes verschweigt oder
gar verheimlicht. Das Kind ist, so wie es ist und es wird eure Familie mit
Wärme, Stärke und Liebe erfüllen! Ich habe es an eigener Haut erfahren, ein
behindertes Kind wirkt auf viele wie ein kleiner Engel - besondere Gefühle
werden wachgerufen und der Wert des Lebens wird einem gezeigt, wenn man in die
Augen des Engels blickt.
Wenn man mit betroffenen Eltern nach einigen Jahren über ihr behindertes Kind
spricht und dem Leben das sie führen, dann erzählen fast alle voller Stolz von
ihren besonderen Kindern! Natürlich ist es nicht immer leicht und sicherlich
darf man den Alltag mit einem behinderten Kind nicht beschönigen, doch es sind
die kleinen Dinge die das Leben lebenswert machen! Ein kleines Lächeln wird oft
zu einem Wunder, Berührungen werden stärker wahrgenommen, kleine Fortschritte
werden zu Erfolgserlebnissen. Wobei hingegen bei einem “gesunden“ Kind alles für
selbstverständlich genommen wird. Es ist nicht nur an den Augen der Eltern
abzulesen, das ein behindertes Kind viel Freude bereiten kann.
Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass die Hoch- und Tiefpunkte des
Lebens mit einem behinderten Kind, an den Tiefpunkten deutlich tiefer, bei den
Höhen aber auch deutlich höher ausfallen. Hat man den ersten "Schock"
überwunden, werden die meisten Eltern zu Kämpfernaturen. Ob es um Therapien
geht, die richtige Behandlung durch den Arzt, oder ob Probleme mit dem Umfeld
auftreten:
Eltern von besonderen Kinder meistern ihr Leben eben auf besondere Art!
Ob es nun gilt das kleine Häufchen Mensch vor bösen Zungen zu beschützen, oder
der Kampf mit verschiedenen Behörden aufgenommen werden muss, es gibt immer
einen Weg, hat man doch nun gelernt die kleinen Dinge im Leben zu schätzen! Ich
ärgerte mich nach kurzer Zeit nicht mehr, wenn Menschen auf der Straße
ungläubige fassungslose Blicke geworfen haben, wenn ich mit meiner Tochter
spazieren ging.
Im Gegenteil, ein süßes Lächeln und die Blicke werden zurückgeschickt und
verursachen meist Schuldgefühle, wobei sich da bei mir oftmals eine süße
Genugtuung breit gemacht hat. Ich möchte versuchen zu erklären, warum es wichtig
ist, Hilfe anzunehmen, ob es nun von Freunden, Verwandten oder verschiedenen
Organisationen ist. Damit der Start ins neue Leben so problemlos und einfach wie
möglich wird, gilt es nicht nur die neuen "Pflichten" als Eltern zu sehen,
sondern auch die Rechte! Je früher einem behinderten Kind individuelle,
spezielle Hilfe zukommt, desto besser sind die Entwicklungschancen.
Ein behindertes Kind bringt viele Herausforderungen mit sich, ob nun auf
seelischer Basis oder auf finanzieller. Anfangs meint man nur allzu oft, das
geht schon, wir brauchen das nicht. Aber es ist keine Schande Hilfe anzunehmen,
im Gegenteil, es zeugt von Größe sich der neuen Aufgabe zu stellen und die
Informationen und Hilfestellungen die man bekommen kann, darf man ohne
schlechtes Gewissen annehmen.
Damit es kein harter Weg wird, sondern ein sanfter Start, in die neue
Zukunft!